Highlight 2025
Lohengrin in Hannover
Am 12. Oktober machte sich eine kleine Gruppe unseres Verbandes auf den Weg nach Hannover, um sich in der Staatsoper Hannover Wagners Lohengrin in der Inszenierung von Richard Brunel anzusehen. Es war eine beeindruckende Vorstellung, sowohl musikalisch, als auch in ihrer technischen Umsetzung mit den vielen Verwandlungen.
Bezugnehmend auf den Text „Zwischen der Suche nach Gerechtigkeit und Traum“ des Regisseurs Richard Brunel und Catherine Ailloud-Nicolas (Mitarbeit), lässt sich die Inszenierung in wenigen Sätzen zusammenfassen: „Richard Wagners Lohengrin vereint zwei Ebenen: eine realistische, historisch-politische Welt und eine traumhafte, mythologische Dimension. Diese Gegensätze spiegeln zeitlose Konflikte zwischen Macht, Wahrheit und Gerechtigkeit. In der realistischen Ebene zeigt das Werk ein Land in der Krise, das seine moralischen Grundlagen hinterfragt. Verschiedene Formen von Gerechtigkeit – von Willkür über königliche Autorität bis hin zum Gottesurteil und Volksentscheid – verdeutlichen eine instabile Gesellschaft auf der Suche nach Gleichgewicht. Lohengrin erscheint dabei als Richter, der Wahrheit und Ordnung wiederherstellen will. Die traumhafte Ebene hingegen eröffnet eine psychoanalytische Lesart: In Zeiten der Bedrohung dient der Traum als Zufluchtsort vor zerstörerischen Kräften. Besonders Elsa flieht aus der belastenden Realität in eine imaginäre Welt, in der sie Hoffnung und Handlungsmacht findet.
Die Figuren sind komplex und voneinander abhängig: Jeder braucht den anderen, um sein Ziel zu erreichen. So wird das Geflecht der Beziehungen zur zentralen Triebkraft der Inszenierung. Lohengrin ist kein makelloser Retter, sondern ein ambivalenter Suchender; Elsa wandelt sich von der Opferrolle zur selbstbestimmten Frau. Durch szenische Arbeit entsteht ein lebendiges, emotionales Epos, das Politik, Psychologie und Mythos miteinander verwebt.“ Musikalisch brillierten an diesem Abend das Orchester unter der Leitung von Stephan Zilias, Shavleg Armasi als König Heinrich, Maximilian Schmitt als Lohengrin, Viktorija Kaminskaite als Elsa, Grga Peros als Telramund und Ewa Vesin als Ortrud. Die gute Pausengastronomie und der Hotelaufenthalt rundeten die Reise ab.